9. Juli 2016 , 18:22 Uhr
von Marc Eggert
Auswärtsspiel 2015 in Hannover: Absteiger gegen Absteiger

Auswärtsspiel 2015 in Hannover: Absteiger gegen Absteiger

Zugegeben: Mit genau dieser Überschrift lockt man inzwischen keinen VfB-Fan mehr. Zu oft ist der VfB in den letzten Jahren im Um- oder Neu-Aufbruch gewesen, zu oft wird das jetzt-wird-alles-anders zelebriert und doch wieder nach kurzer Zeit über den Haufen geworfen. Im Jahr 2016 ist eines jedoch anders als zuvor: Mit dem Abstieg in die zweite Bundesliga wird es definitiv ein Umbruch. Den hoffentlich schnellen Weg aus der zweiten Liga zurück in die erste Bundesliga möchte ich mit meinem Weblog verfolgen und die Zeit bis hierhin in diesem initialen Blog-Beitrag zu diesem Thema aufarbeiten.

Über mich

Seit fast 35 Jahren bin ich inzwischen Fan des VfB Stuttgart. Eine Zeit, in welcher ich viele Hochs und Tiefs des Vereins miterleben konnte. Auch Zeiten, in welchen man vor der letzten Meisterschaft 2007 bereits einem Abstieg in die zweite Bundesliga nahestand. Bis auf die letzten 6 Jahre zum tatsächlichen Abstieg 2016 konnte der VfB allerdings immer wieder mit kleineren Erfolgen glänzen, die ein solches Desaster zukünftig unwahrscheinlich werden ließen.

Aktion VfB 2011

Die „Aktion VfB 2011“ war ein freiwilliger Zusammenschluss einiger Mitglieder des Vereins, um gemeinsam formulierte Ziele im Rahmen der Mitgliederversammlung vorzuschlagen und möglichst auch umzusetzen. Unter diesen Zielen befand sich auch der Vorschlag einer Satzungsänderung, um mehrere Kandidaten für das Präsidenten-Amt im Verein zuzulassen, sowie einen eigenen Präsidenten vorschlagen zu dürfen. Vor dieser Satzungsänderung wurde 2011 von Vereins-Seite ausdrücklich gewarnt, da dadurch ein Entzug der Lizenz im Raum stünde. Um genau zu sein, ging es dabei um den $3, Abschnitt 9 der Lizenzierungsordnung der DFL (Direktlink zur PDF-Datei) – auch die Stuttgarter Nachrichten nahmen sich diesem Thema an: „DFL schreibt vor – Keine Direktwahl des Präsidenten„. Trotz aller damals vorgetragenen rechtlichen Probleme war es dann 2014 allerdings trotzdem möglich, eine solche vom Verein vorgeschlagene Satzungsänderung über die Mitgliederversammlung umzusetzen.
Für eine Satzungsänderung ist eine 3/4-Mehrheit zum Abstimmungszeitpunkt erforderlich. Diese ist m.E. kaum zu erreichen, da der Verein sich natürlich bereits im Vorfeld einer solchen Mitgliederversammlung zur Wehr setzt und dies dann auch konkret zur Mitgliederversammlung 2011 über entsprechende Hochglanz-Broschüren an die Mitglieder tat.
Die Zeit der Aktion VfB 2011 war für mich persönlich eine wichtige Erfahrung in Bezug darauf, welche Macht die Mitgliederversammlung in Bezug auf den Verein überhaupt inne hat. Als Fazit bleibt für mich dabei: nahezu _keine_ Macht. Das Mitwirken der Mitgliederversammlung beschränkt sich darauf, dass man Vorstand und Aufsichtsrat entweder entlastet oder auch nicht.
Letztendlich muss ich dazu allerdings auch eingestehen, dass es trotz der eigenen Enttäuschung über den Mißerfolg natürlich auch ein Schutz des Vereins sein kann, wenn Satzungsänderungen aufgrund von Vorschlägen der Mitglieder fast gar nicht möglich sind. Ein Scheitern ist auch für das am Besten durchdachte Konzept möglich und letztendlich sieht man als Außenstehender eben nicht in die internen Abläufe des Vereins.
Die Erfahrung aber zeigt: Es ist schwierig, nahezu unmöglich, eine Mehrheit oder zumindest eine gewisse Masse innerhalb des Vereins zu finden und zu mobilisieren. Dabei kämpft man tatsächlich zunächst einmal gegen eine ordentliche Portion Mißtrauen und Zweifel auch unter den Mitgliedern an.

Projekt Ausgliederung

Die Zeit nach der „Aktion VfB 2011“ war für mich persönlich einigermaßen ernüchternd. Es war unterm Strich natürlich kaum ein Erfolg auszumachen, was vermutlich der Auslöser war, dass sich das Aktions-Bündnis nach und nach auflöste und kaum noch Energie oder Motivation für ein Weitermachen vorhanden war. Die Folgezeit verlief dann für den Verein ebenfalls nicht so erfolgreich. Der 2011 gewählte Präsident war nicht der gewünschte Erfolgsgriff des Vereins und so stand 2013 der nächste Präsident zur Wahl. Ein Präsident, der für den Umbruch stand. Ganz anders als die Mitgliederversammlung 2011 war dies eine von vorne bis hinten für den Verein erfolgreiche Versammlung. So wurde das alte Traditions-Wappen zurückgewahlert und der neue Präsident erzeugte tatsächlich eine Aufbruch-Stimmung, wie sie zuvor selten bis gar nie im Verein und dessen Umfeld zu spüren war. JETZT kann es ja nur noch vorwärts gehen – selbst der einzige kritische Wortbeitrag auf dieser Versammlung wurde vom damaligen Sportdirektor mit den Worten „Man sollte etwas positiver durchs Leben gehen“ abgewatscht und vom Publikum eifrig beklatscht. Ich meine: auch von mir – ich war ebenfalls guter Dinge.
Es kam ja trotzdem alles ganz anders irgendwie. Im Laufe der Zeit war es für den Außenstehenden dann aber auch irgendwann scheinbar so, dass eigentlich der komplette Verein ausgetauscht war: Trainer, Präsident, Sportdirektor, Aufsichtsrat – alles neue Leute und trotzdem schien es auf dem Platz weiterzugehen wie bisher. Inzwischen war man nicht mehr mit einer guten Vorrunde und schlechten Rückrunde oder umgekehrt gestraft – nein, man spielte generell meistens nur noch im unteren Drittel der Tabelle mit.
„Zu wenig Geld“ hieß es desöfteren. Der aktuelle Marktwert des VfB Stuttgart wird laut transfermarkt.de auf ca. 50,93 Mio. EUR geschätzt.  Die geplante Ausgliederung, über welche dann Gelder durch Investoren generiert werden sollen, würde beim Problem helfen, ständig „klamm“ zu sein, wenn es um weitere Transfers geht. Es ist sicherlich ein Weg, welchen viele Vereine gegangen sind – doch liegt das Problem beim VfB Stuttgart wirklich am fehlenden Geld oder an Fehlinvestitionen? Das Problem bei der Überzeugungsarbeit war aus meiner Sicht bis heute, dass man es als Fan nicht einsehen konnte, dass das schlechte Abschneiden des Vereins in der Bundesliga am fehlenden Geld lag. Viel mehr liegt die Vermutung nahe, dass durch zu viele Fehleinkäufe auf dem Transfermarkt, schnelle Trainer-Entlassungen und in der Folge hohe Abfindungskosten dazu beigetragen haben, dass Geld ausgegeben wurde, der Erfolg auf lange Sicht allerdings ausblieb.

Zukunft

Die zweite Bundesliga startet am 08.08.2016 für den VfB Stuttgart mit einem Heimspiel gegen den FC St. Pauli. Der Mannschaftskader dürfte bis dahin weitere Formen angenommen haben – über einzelne Spieler zu diskutieren, ist in diesen Tagen nahezu sinnfrei, da der Verein inzwischen in einer Sache sehr gut geworden ist: Internas gelangen so gut wie gar nicht mehr an die Öffentlichkeit. Auch die Frage, wer denn nun Sportdirektor beim VfB Stuttgart wird, war bis Anfang dieser Woche noch völlig unbekannt. Es wurden Namen wie Bierhoff, Reuter, Sauer, etc. genannt – letztendlich wurde diese Woche Jan Schindelmeiser als neuer Sportdirektor im Rahmen einer sehr gut gelungenen Pressekonferenz in Stuttgart vorgestellt.

Es wäre wohl wenig überzeugend gewesen, wenn Hr. Schindelmeiser auf der ersten Pressekonferenz davon gesprochen hätte, dass er vom Aufstieg absolut überzeugt sei oder in die andere Richtung erstmal alles schlecht geredet hätte, aber die geniale Lösung im Gepäck hätte. Die Ansprache wirkte auf mich jedenfalls sehr besonnen und durchdacht. Man darf durchaus guter Dinge sein, dass es jetzt evtl. mal wirklich in eine bessere Zukunft für den Verein geht, auch wenn es – wie bereits Eingangs erwähnt – nicht ganz einfach werden wird, die Fans des VfB auf Vorschuss sofort zu begeistern. Die erste Saison-Hälfte wird vermutlich schon deutlich zeigen, auf welchem Weg der Verein ist. Nach der Pressekonferenz kann man jedenfalls festhalten, dass die Abgänge von Kostic, Dié und Insua feststehen und es noch Neuzugänge geben wird.

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