13. August 2016 , 09:52 Uhr
von Marc Eggert
VfB Stuttgart : St. Pauli (2:1)

VfB Stuttgart : St. Pauli (2:1)

Zwei Spieltage sind für den VfB Stuttgart gespielt und die Mannschaft präsentiert sich eben gerade nicht wie der ausgemachte TOP-Favorit. Das Erschreckende dabei ist die Tatsache, dass die Mannschaft von den einzelnen Namen her sehr viel besser sein müsste, als sie sich präsentiert. Das kommt dem VfB-Fan schon bekannt vor: Die letzte Bundesliga-Saison war ganz ähnlich. Auch in der Bundesliga-Saison galt die Aussage, dass die Mannschaft eigentlich sehr viel stärker ist und für die Bundesliga ausreichend sein müsste. Es hat aber nicht gereicht. In der Vor-Saison konnte man sich dabei noch über „das alternativlose System“ auslassen und hatte somit gleich die Ausrede für schlechte Ergebnisse parat. Teilweise war es ja auch Pech – inzwischen ist es allerdings Unvermögen und ein nicht erkennbares System. Pech kann als Erklärung auch nicht mehr herangezogen werden.

Es tut einem fast schon leid, wenn man gestandene Neuzugänge im Team – wie beispielsweise Terodde – erleben muss und zusehen muss, wie auch diese Spieler schon in den ersten Runden mental niedergestreckt werden, weil einfach die „Zufütterer“ auf den Außenbahnen oder überhaupt Spieler, welche entsprechend verwertbare Flanken in den Strafraum bringen können, einfach nicht vorhanden sind.

Die reinigende Wirkung der Zweiten Bundesliga

Der Abstieg sollte unter allen Umständen vermieden werden. Als es sich dann aber abgezeichnet hatte, dass der Abstieg unvermeidbar wird, wurden Stimmen laut, dass ein Abstieg auch eine reinigende Wirkung zeigen kann, durch welche ein Verein komplett neu aufgestellt und ausgerichtet werden kann. Dies wurde scheinbar auch vollzogen: Präsident raus, Manager raus, Trainer raus und diese Positionen neu besetzt. Die gewünschte reinigende Wirkung blieb dabei allerdings aus. Der VfB ist allerdings auch seit Jahren auf genau diesen Schlüssel-Positionen schon einige Male gereinigt worden – inzwischen ist nicht nur die Trainer-Position, sondern auch die Präsidenten- und Manager-Position ein Schleudersitz. Das Konzept indes bleibt seit Jahren allerdings wie gehabt: kaum überzeugendes Tätigwerden auf dem Transfermarkt – oftmals garniert mit dem Spruch „der Markt ist momentan zu hitzig“, um es zum Ende des Transfer-Fensters mit einem günstigen Schnellschuss auf der Resterampe zu versuchen. Seit der Meister-Saison wurden sämtliche öffentlich bekannte Positionen im Verein (Vorstand/Präsident/Manager, Teile des Aufsichtsrates, Trainer) gewechselt – die öffentlich erkennbare Philosophie blieb dabei diesselbe. Träges agieren, vermeintliche Aufbruchstimmungen medial aufbereiten, Durchhalte-Parolen präsentieren. „Niemals 2. Liga“, „Übergangs-Saison“, „Zusammenhalten“, „Mir schaffen des“. In Sachen Trainer, Präsident und Manager wurden nahezu alle Typen durchprobiert – vom ruhigeren bis zum Donnerkeil-Typ, vom netten Onkel zum beinharten Wirtschaftsboss. Aufbruchstimmungen nach einer Präsidenten-Wahl, nach der Verpflichtung eines Konzept-Trainers – nichts hatte Wirkung gezeigt. Man verzweifelt an diesem Verein und angesichts der wieder einmal herrschenden Ruhe im Vereinsumfeld und der abwartenden Haltung (aus welcher sich bislang noch nie ein „Kracher“ hervortat), kommt man durchaus irgendwann auf die Idee, dass sich hinter den öffentlichen Positionen noch Strippenzieher finden lassen müssen, welche das grundlegende Konzept des Vereins auf eine gewisse Art steuern.

Es gibt natürlich zum aktuellen Zeitpunkt sehr viel zu kritisieren – doch trotz aller Schwarzmalerei sollte man sich auch bewusst sein, dass der VfB Stuttgart vom aktuellen Standpunkt kaum eine Rolle des „FC Bayern der zweiten Liga“ einnehmen wird und auch nicht einnehmen kann. Dieser vermutete Klassenunterschied ist schlichtweg nicht vorhanden. Um trotzdem eine gesunde positive Grundhaltung für die Zukunft einzunehmen, sei es empfohlen, Zusammenfassungen der Bundesliga-Saisons 2006/07 oder auch 2008/09 anzusehen und zu beobachten, mit welchen teils schlechten Saison-Starts der VfB doch noch akzeptable bis sehr gute Ergebnisse erzielen konnte. 2006 kam die Trainer-Diskussion beim VfB Stuttgart schon nach den ersten Spielen auf – die Mannschaft wirkte zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht eingespielt oder gar siegeshungrig – mit bekanntem Ausgang. Es bleibt zu hoffen, dass sich im Laufe der aktuellen Saison ebenso die Neu-Entdeckungen auftun und Spieler wie damals Pardo, Khedira, Gomez oder Cacau hervortreten. Zum weiteren Aufbau der geschändeten VfB-Seele sei empfohlen die bisherigen Aufstiegs-Saisons des aktuellen Trainers Jos Luhukay anzusehen – auch  hier gab es mit Mönchengladbach, Hertha BSC und dem FC Augsburg extreme Start-Schwierigkeiten.

Fazit: noch ist nicht alles verloren – schon gar nicht am zweiten Spieltag, so schwer diese Erkenntnis momentan fällt. Der Schuß vor den Bug (bzw. „der Schuß in den Bug“ – Zitat Stefan Heim) muss jetzt eben erkannt werden und entsprechend gehandelt werden.

 

  • Jan sagt:

    • 09
    • 10
    • 2016

    Zitat: „Träges agieren, vermeintliche Aufbruchstimmungen medial aufbereiten, Durchhalte-Parolen präsentieren. „Niemals 2. Liga“, „Übergangs-Saison“, „Zusammenhalten“, „Mir schaffen des“. In Sachen Trainer, Präsident und Manager wurden nahezu alle Typen durchprobiert – vom ruhigeren bis zum Donnerkeil-Typ, vom netten Onkel zum beinharten Wirtschaftsboss. Aufbruchstimmungen nach einer Präsidenten-Wahl, nach der Verpflichtung eines Konzept-Trainers – nichts hatte Wirkung gezeigt.“

    Das könnte man auch fast 1:1 auf Werder übertragen, nur dass der Abstieg mit viel Glück und Fan-Engagement nochmal um ein Jahr verschoben werden konnte. Der Rest ist genauso trostlos und vielleicht treffen wir uns ja doch noch in absehbarer Zeit beim Topspiel der zweiten Liga. 😉 Ich könnte mir sogar vorstellen, dass in ein paar Jahren die 2. Liga mit evtl. Stuttgart, Kaiserslautern, St. Pauli, HSV, Werder viel cooler als die 1. Liga mit VW, Red Bull, Hoffenheim und der Langeweile um den Dauer-Meister Bayern ist.

    Aber mittlerweile hat sich Stuttgart ja unter dem neuen Trainer wieder gefangen – würde mich schon wundern, wenn die nicht aufsteigen. 🙂

      Antworten 1 Kommentare hierzu
    • Marc Eggert sagt:

      • 10
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      • 2016

      Aufstieg ist durchaus drin – da habe ich schon Hoffnung, angesichts der aktuellen Transfers und Trainer-/Sportvorstandsbesetzung. Die Mitgliederversammlung gestern war zwar eine traurige Angelegenheit, aber evtl. packt man es jetzt trotzdem.
      Zu Werder: Ich habe so den Eindruck, dass ihr in etwa derselben Entwicklung nur 1-2 Jahre hinten dran seid. Zweite Liga muss echt nicht sein – aus der Berichterstattung verschwindet da der eigene Verein gefühlt komplett… o_O
      Ansonsten ist vom „Coolness“-Faktor die zweite Liga schon jetzt deutlich interessanter, wobei ich von der BuLi auch kaum noch was mitbekomme, außer dass Bayern oben steht und Schalke irgendwo ganz unten herumkrebst – weiß ich aber auch nur via Hilbring-Comics… 😉
      Wenns dazu kommt, dass Werder und Stuggi in der zweiten Liga spielen, dann fahr ich tatsächlich mal in den Norden. Bin die letzten drei Jahre ja schon ordentlich herumgekommen – Hamburg, Bremen, die ganze nördliche Ecke war noch nicht dabei. 🙂

  • Jan Knöttig sagt:

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    • 10
    • 2016

    Also den schönsten Teil hast du bis jetzt ausgelassen. 😀 Vor allem Hambrg (mal den Fußball außen vorgelassen ^^) lohnt sich echt! Ich bin inmer wieder total gerne dort. Wenn du mal die Gelegenheit hast, fahr hin, am besten für ein verl. Wochenende oder so…

      Antworten 1 Kommentare hierzu
    • Marc Eggert sagt:

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      • 2016

      Das höre ich echt von vielen Seiten, dass Hamburg ne Reise wert ist. Ne Bekannte von mir ist sogar gleich nach Hamburg gezogen – zwar beruflich bedingt, aber von der höre ich auch nur gutes. 🙂
      so – und über Fußball rede ich jetzt mal lieber nicht. War was? 😉

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